geschrieben am Donnerstag, 30. Juni 2011, 22:23 Uhr
Bericht von der heutigen Sitzung der Bezirksbeiräte aus Nord, Ost, Mitte, Zuffenhausen, Feuerbach und Bad Cannstatt im Bürgerhaus Rot zum Thema Rosenstein(-Auto-)tunnel. Alle Bezirksbeiräte außer Mitte waren beschlußfähig. Wobei - sie wie ich mitbekommen habe - war die abschließende Abstimmung eh nicht bindend, deshalb kann die Abwesenheit der Grünen aus dem Bezirk Mitte auch Protest gewesen sein, denn dieser Abend war nichts anderes als eine Werbeveranstaltung von Baubürgermeister Hahn und seinen Speichelleckern von der CDU. Fragen der Bürger waren nicht erlaubt, die Veranstaltung war zwar öffentlich, aber außer Beifall war Bürgerbeteiligung ausgeschlossen. Die Pläne kommen jetzt überarbeitet wieder zur Auslage, sie werden in den nächsten Wochen im Rathaus ausgelegt, den genauen Termin werde ich noch hier kommunizieren.
Nach den 660 Einsprüchen (Herr Hahn nennt sie verniedlichend Anregungen) wurden die Pläne mit einem Haufen an Gutachten (einige davon auch von der Uni Stuttgart, die wir ja schon in anderen Zusammenhängen als Ersteller von Gefälligkeiten kennengelernt haben) untermauert. Die für das Neckartor prognostizierten 20. 000 Fahrzeuge mehr jeden Tag wurden jetzt auf 7.000 mehr pro Tag reduziert, was den Rosensteintunnel angeht. Die restlichen 13.000 Fahrzeuge mehr jeden Tag hat man jetzt hinter Zusatzmaßnahmen versteckt, die unter anderem die Verengung von Schleichwegen, Verkehrsberuhigung in angrenzenden Wohngebieten und Geschwindigkeitsreduzierungen umfassen. Für den Bereich Bad Cannstatt sind diese wohl auch schon unumkehrbar festgelegt. Aber hier werden von Baubürgermeister Hahn Stadtbezirke gegeneinander ausgespielt. Das hat man auch in der Abstimmung deutlich gemerkt. Zuffenhausen SPD hat dagegen gestimmt (weil für ZH 35.000 Fahrzeuge mehr jeden Tag prognostiziert werden und der Stadtbezirk keine Verbesserung in Bezug auf Lärm und Schadstoffe erfährt), die SPD in weniger betroffenen Stadtbezirken oder Stadtbezirken die sogar Verbesserungen erfahren (Bad Cannstatt) ist für den Rosensteintunnel. Und das ist es doch, was die Stadt eigentlich nicht wollen kann, dass Stadtbezirke gegeneinander ausgespielt werden, dass der eine entlastet wird und der andere belastet wird. Ein vernünftiges Gesamtkonzept fehlt. Herr Hahn hat Stuttgart mit München verglichen, wo die Bürger über ein 800 Mio. teures Ausbauprogramm für den Ring abgestimmt und mehrheitlich zugestimmt haben. Solche Verhältnisse wünscht er sich hier auch. Nur haben wir hier weder den Münchner Ring in der Stadt noch haben wir 800 Mio zur Verfügung. Wir können uns ja noch nicht einmal die 200 Mio leisten, die für den Tunnel veranschlagt sind. Geschweige denn die Fahrzeugzahlen, die in den Gutachten jetzt besser versteckt sind als vorher.
Aber der Rosensteintunnel muss im Gesamtzusammenhang mit S21 und den neuen Einkaufszentren am HBF und an der Paulinenbrücke und am Karlsplatz gesehen werden. Diese Zentren brauchen Kunden und Kunden wollen einkaufen (so zumindest die Denke der Befürworter) - am liebsten riesige TV-Bildschirme und Stereoanlagen - und die müssen transportiert werden. Womit? Dem Auto! Deshalb muss der Rosensteintunnel her, denn die Autos sollen ja nicht im Stau stehen, sondern in den Parkhäusern der Einkaufzentren!
Heute habe ich erfahren, dass in der Endausbaustufe von S21 die Wolframstrasse auf 8 Fahrspuren und die Cannstatter Strasse auf 7 Fahrspuren verbreitert werden sollen - um den ganzen Verkehr zum ECE-Zentrum aufnehmen zu können!


