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Eingeordnet unter: Stuttgart 21

  • Till-Simplizius
    34305
    Till-Simplizius » #satire #RealSatire #satire21

    #Satire

    Bürgerentscheid

    Letzte Woche war in der Zeitung zu lesen, dass der Stuttgarter Gemeinderat den Bürgerentscheid zum Ausstieg der Stadt aus Stuttgart 21 nicht zulassen wird. Die Verwaltung ist der Ansicht, die Verhältnisse hätten sich trotz der Steigerung auf aktuell 6,8 Milliarden Euro weder grundlegend noch unzumutbar geändert. Das ist eine sehr relative Sichtweise. Sicher, Kostenexplosionen sind schon lange bei S21 keine grundlegende Änderung mehr. Waren sie eigentlich von Beginn an nicht, weil solche Explosionen immer wieder und mit größter Zuverlässigkeit aufgetreten sind und vermutlich auch weiterhin auftreten werden. Eine Zumutung sind sie meines Erachtens dennoch, ebenso wie das gesamt Projekt.

    Doch empfinden dies offensichtlich nicht alle Menschen so. Für Alexander Kotz (CDU) zum Beispiel, steht bei S21 die Umsetzung im Vordergrund. Er meint, man könne nicht ernsthaft über die Beendigung des Projekts nachdenken, wenn man die Baustelle so sehe. Und Herr Stopper von den Grünen sekundierte, dass ein Bürgerentscheid zur etwaigen Übernahme weiterer Mehrkosten überflüssig sei, da die Stadt in Anbetracht des Baufortschritts gezwungen würde, das „Desaster“ einer ewigen Baustelle zu verhindern. Eine merkwürdige Meinung angesichts der Beispiele BER und Elbphilharmonie. Hier haben jegliche Übernahmen von Mehrkosten nicht verhindern können, dass diese beiden Projekte zum Desaster ewiger Baustellen wurden. Und bei S21 überwiegt der Eindruck, dass dieses Projekt bereits als Desaster geplant wurde.

    Das alles gab mir zu denken. Ist es wirklich vernünftig, ein völlig verpeiltes Projekt weiter zu betreiben, nur weil man es blöderweise schon begonnen hat? Heute sage ich mit den Worten unseres Altbundeskanzlers Helmut Kohl: „Ich bejahe die Frage rundherum mit ja!“ Dabei spielt es auch gar keine Rolle, ob das Projekt nur mit Lüge und Betrug oder einfach nur aus reiner Dummheit vorangetrieben wurde.

    Ausschlaggebend für meine Meinung waren Parallelen, die ich mit verschiedenen Situationen aus dem Alltag gezogen habe. Wer einen Einbrecher bei sich zu Hause erwischt wird ihn doch auch nicht auffordern, sein Diebesgut wieder zurückzustellen und zu verschwinden. Nein. Jeder normale Mensch würde einsehen, dass der Einbrecher jetzt, da er nun mal sein Werk begonnen hat, dieses unbedingt auch beenden muss. Ja, vielleicht hilft er ihm sogar dabei, damit das Projekt schnell und zügig beendet werden kann. Z.B. könnte man dem Dieb sachdienliche Hinweise auf den Aufbewahrungsort von Wertgegenständen geben oder die Kombination des Tresors verraten. Das erspart zudem Kollateralschäden durch aufschweißen oder sprengen desselben.

    Oder stellen sie sich vor, ein Assistenzarzt hat irrtümlich statt Operation Obduktion verstanden. Würde der Chefarzt nun darauf bestehen, die Arbeit unverzüglich zu beenden? Jetzt, wo der erste Schnitt schon gesetzt ist? Wohl kaum. Ähnlich wie Herr Kotz würde ein guter Chefarzt eher sagen, dass man nicht ernsthaft über die Beendigung des Projekts nachdenken könne, wenn man den offenen Torso so sehe.

    Auch wenn man auf der Fahrt von Stuttgart nach Hamburg feststellen sollte, dass man irrtümlich Richtung Süden statt gen Norden unterwegs ist, wird man nie auf die Idee kommen, umzukehren. Warum auch? Nur weil man damit einen Umweg von rund 40.000 Km auf sich nehmen muss? Sicher nicht. Auch die Tatsache, dass man unnötigerweise Meere über- und Wüsten durchqueren sowie Süd- und Nordpol passieren muss, kann kein Grund zur Umkehr sein. Nein! Egal, ob der einmal eingeschlagene Weg durch Betrug, durch Korruption oder auch nur durch unfassbare Dummheit gewählt wurde, für standhafte und verantwortungsbewusste Menschen kommt eine Umkehr niemals in Frage. Koste es, was es wolle. Und sei es auch das Leben.

    4 Kommentare · Alle Kommentare laden
    • Leselotte »

      Wunderbar, danke. Mitten ins Herz.

      Leselotte
      34090
    • Achtsam »

      Ja - so stimmt's!
      Bisss auf die Überschrift: SATIRE? >>> NEIN! Dies ist keine Satire!...

      Und noch eine kleine ergänzende Anmerkung:
      Diese GRÜNE „Klarstellung“ des Herrn Stopper von "Szenarien, Desaster, Dilemma, Bürgerentscheide, Mehrkosten, Kostenübernahme …" habe ich jetzt so verstanden:
      Um einen funktionsunfähigen unterirdischen Science-Fiction-Desaster-Haltepunkt zu verhindern, werden wir, die GRÜNEN, dabei helfen, auch die zu wenigen 8 Gleise auf 12, 16, oder noch mehr Gleise zu erweitern, den Nesenbachdüker unter die Mineralquellgebiete verlegen, die dringend nötigen blauen Grundwasserrohre grün bepflanzen; die Bahnhofsneigung durch automatische Kinderwagen-, Rollstuhl- und Rollatorbremsen absichern, zur Mineralwassersicherheit eine Mineralwasserpipeline von Budapest nach Stuttgart bauen lassen, auf allen Dächern Stuttgarts Solarkollektoren installieren und Windräder auf die neuen Hochhäuser der ehemaligen Bahnhofsgleisanlagen stellen, um die nötige zusätzliche Energie für den Desasterhaltepunkt zu erzeugen. Und dann werden wir noch … alles … äußerst kritisch Kretschmann-nierlich begleiten. Wegen den möglichen Folge-Desastern ….
      So ungefähr habe ich das Stoppersche Drumherum verstanden.
      Gell.

      Achtsam
      10026
    • Wolfgang Weiss (Autonomer Bad. Aktivist) »

      Das ist eine sehr gute #Realsatire :-)!

      Wolfgang Weiss (Autonomer Bad. Aktivist)
      16099
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