Die StZ hatte in der Regionalbeilage Stuttgart Ost / Nord am 17.07.15 einen Artikel, in dem es um aufgrund Artenschutzbestimmungen notwendig gewordene Umplanungen an der Ehmannstraße ging.
Hier folgt der Text und im Anhang eine jpg-Datei des Artikels.
"Neue Planung entlastet Nordbahnhofviertel
S-Nord Die Bahn rechnet jetzt mit weniger Baustellenverkehr am Kreuzungsbauwerk Ehmannstraße. Rebecca Anna Fritzsche
Der Juchtenkäfer ist der Grund, warum die Bewohner des Nordbahnhofviertels entlastet werden. So haben es Vertreter der Bahn im jüngsten Infoladen-Stammtisch berichtet. Ein 'kleines, idealistisches' Projekt sei es gewesen, die Baustelle für das Kreuzungsbauwerk Ehmannstraße neu zu planen, sagte Wadim Strangfeld. Der Bauingenieur ist Teamleiter beim Tunnel Bad Cannstatt. 'Mach was Unmachbares machbar', das sei seine Vorgabe gewesen, so Strangfeld.
Der Juchtenkäfer hat sich in mehreren Bäumen entlang der Ehmannstraße niedergelassen. Er steht unter Artenschutz, diese Bäume dürfen daher nicht gefällt werden. Ebenfalls dort leben auch Rosenkäfer, die mit dem Juchtenkäfer zwar verwandt, aber nicht artengeschützt sind. Sie sind aber in den ersten drei Lebensjahren im Larvenstatus nicht vom Juchtenkäfer zu unterscheiden. 'Darum müssen wir auch sie schützen', so Strangfeld.
Die ursprüngliche Planung hatte eine große, über 200 Meter lange Baugrube vorgesehen, um die Tunnel und das Kreuzungsbauwerk Ehmannstraße - wo sich Fern- und S-Bahn-Tunnel kreuzen - herzustellen. Für diese Baugrube hätten die Ehmannstraße verlegt und alle Bäume gefällt werden müssen. Beides ist nun vom Tisch: Strangfeld und sein Team hatten nun das Problem, umplanen zu müssen: um die Bäume herum, aber nicht zu tief in den Boden hinein, um nicht an die Grundgipsschicht zu kommen, durch die sonst Mineralwasser brechen könnte, außerdem weiter eingegrenzt von den Anlagen des Abstellbahnhofs an der Ehmannstraße und den Bahnbrücken.
Jetzt sieht die Planung so aus: Die Baugrube für den Ferntunnel - nun Zwischenangriff Rosenstein benannt - wird nur noch 58 Meter lang und 23 Meter breit. Von dieser Baugrube auf dem Gelände des Wilhelma-Betriebshofs in der Nähe des Löwentormuseums wird der Tunnel Richtung Neckarbrücke in bergmännischer Weise - nicht mehr in offener Bauweise - gebaut, also mit dem Bagger gegraben.
Die Baugrube für den S-Bahn-Tunnel, Zwischenangriff Abstellbahnhof genannt, wird 78 Meter lang und 17 Meter breit. Diese Baugrube befindet sich zum großen Teil auf dem Gelände des Abstellbahnhofs, zu einem Teil auf Parkfläche. Das Kreuzungsbauwerk, an dem sich die beiden Tunnel treffen, wird ebenfalls bergmännisch hergestellt. 'Zuerst wird der S-Bahn-Tunnel in Richtung Cannstatt an dieser Stelle gegraben, und die Innenschale fertig gemacht', so Wadim Strangfeld. Dann soll der Vortrieb des Fernbahntunnels beginnen, 'ein Stockwerk darüber', denn der S-Bahn-Tunnel liegt später unter dem Fernbahntunnel. Beide Tunnel sollen dann in Stahl eingehaust und miteinander verschweißt werden. Beide Baugruben werden 18 Meter tief sein - der Höhenunterschied im Gelände von zehn Metern macht es möglich, so dass die S-Bahn später trotzdem tiefer als die Fernbahn verläuft.
Dass die beiden Tunnel nun bergmännisch gebaut werden, stellt eine Entlastung für das Nordbahnhofviertel dar, wie Wadim Strangfeld betonte: 'Das Material, das im Tunnel ausgegraben wird, wird über die Tunnelröhren abgefahren, direkt zum Zwischenangriff Nord.' Der befindet sich auf der Baulogistikfläche, wo der Erdaushub verladen und mit Zügen abtransportiert wird. 'Tunnelerdaushub wird nicht über öffentliche Straßen abgefahren', sagte Strangfeld. Josef Klegraf, Vorstand des Infoladens, war sichtlich angetan: 'Das hat sich ja auch schon einmal ganz anders angehört. Da war noch die Rede von den vielen Lastwagen, die über die Rosensteinstraße fahren.'
Gänzlich frei von Belastungen durch den Baustellenverkehr wird das Nordbahnhofviertel freilich trotzdem nicht sein. Denn der Aushub der beiden Baugruben wird über die öffentlichen Straßen abgefahren. Allerdings, so betonte Wadim Strangfeld, seien die Baugruben viel kleiner als die ursprünglich geplanten - was folglich auch weniger Erdaushub bedeutet. Auch Materialanlieferungen laufen über das öffentliche Straßennetz, so wie bei den anderen Tunnelbaustellen auch. 'Aber am Abstellbahnhof steht bereits die Betonmischanlage für den Cannstatter Tunnel, die wir mitbenutzen können', sagte der Bauingenieur.
Die Pläne für das Kreuzungsbauwerk sind jetzt fertig. Die beiden Baugruben sind über den Planfeststellungsbeschluss bereits genehmigt, für den bergmännischen Tunnelbau läuft momentan ein Planänderungsverfahren. Im Herbst dieses Jahres sollen die Arbeiten am Ferntunnel beginnen, im Winter die für den S-Bahn-Tunnel. Wadim Strangfeld rechnet mit etwa sechs bis sieben Monaten Bauzeit für den Zwischenangriff Rosenstein, und etwa 12 bis 14 Monate für den Zwischenangriff Abstellbahnhof."
Link zum Statement von Wolfgang Rüter mit weiteren Infos und Fotos:
http://www.parkschuetzer.de/statements/184043


